Empfangstheke: ein Möbel mit zwei Seiten, die beide funktionieren müssen
Eine Empfangstheke ist Visitenkarte und Arbeitsplatz zugleich. Vorn begrüßt sie Besucher, hinten sitzt jemand acht Stunden am Bildschirm. Gute Planung nimmt beide Seiten ernst.
Eine Empfangstheke, auch Empfangstresen genannt, ist das erste Möbel, das Besucher einer Praxis, Kanzlei, Agentur oder eines Hotels sehen. Sie trennt den Wartebereich vom Arbeitsbereich, bietet eine Ablage zum Unterschreiben oder Übergeben und verdeckt dahinter Bildschirm, Drucker und Unterlagen.
Daraus ergibt sich die wichtigste Planungsregel: Der Tresen hat zwei Ebenen mit unterschiedlichen Aufgaben. Die Besucherseite soll einladend und praktisch sein, die Arbeitsseite ergonomisch.
Formen im Überblick
| Form | Wirkung | Geeignet für |
|---|---|---|
| Gerade | klar, platzsparend | schmale Eingänge, ein Arbeitsplatz |
| L-Form (Eckform) | mehr Arbeitsfläche, umschließt den Arbeitsplatz | ein bis zwei Plätze, Ecke im Raum |
| U-Form | viel Fläche und Stauraum | stark frequentierter Empfang |
| Rund oder halbrund | offen, weich, repräsentativ | Foyers, Hotels, Showrooms |
| Modulare Elemente | erweiterbar, umstellbar | wachsende Teams, Mietflächen |
Die Arbeitsseite: ein Bildschirmarbeitsplatz
Wer hinter dem Tresen am Bildschirm arbeitet, hat einen ganz normalen Büroarbeitsplatz. Die DGUV-Information 215-410 «Bildschirm- und Büroarbeitsplätze» (Ausgabe Juli 2019) gibt dafür Orientierung:
- Fläche: Ausreichend groß ist eine Arbeitsfläche laut DGUV ab 1600 mm × 800 mm (Breite × Tiefe).
- Höhe: Für feste Tische nennt die DGUV 740 ± 20 mm für die Arbeit im Sitzen und 1050 ± 20 mm im Stehen; grundsätzlich soll die Arbeitshöhe etwa in Ellenbogenhöhe liegen.
- Bildschirm: Sehabstand mindestens 500 mm; die oberste Bildschirmzeile soll nicht oberhalb der horizontalen Sehachse liegen.
- Wechsel: Wo im Sitzen und Stehen gearbeitet wird, ist ein höhenverstellbarer Schreibtisch hinter dem Tresen eine Möglichkeit. Laut DGUV wirkt Höhenverstellung günstig, wenn sie die Sitz-Steh-Dynamik tatsächlich fördert.
Achte auch auf das Licht: Der Arbeitsplatz hinter dem Tresen liegt oft weit vom Fenster entfernt und braucht eine gute Arbeitsleuchte, die weder Besucher noch Bildschirm blendet. Prüfe außerdem, ob die Tresenblende hoch genug ist, damit Besucher nicht auf den Bildschirm sehen, und ob Kabel zu Bildschirm, Telefon und Drucker in einem Kanal laufen.
Die Besucherseite: Ablage, Blickkontakt, Zugang
Auf der Besucherseite zählen andere Dinge. Für die Höhe der Besucherablage haben wir keinen verlässlichen Richtwert gefunden und nennen deshalb keinen. Diese Fragen helfen bei der Entscheidung:
- Können Besucher bequem ein Formular unterschreiben oder eine Karte übergeben?
- Haben Mitarbeitende im Sitzen Blickkontakt mit stehenden Gästen, oder wirkt der Tresen wie eine Mauer?
- Gibt es einen niedrigeren Abschnitt für Menschen im Rollstuhl und für Kinder? Wer barrierefrei planen muss, klärt die Anforderungen mit dem Architekten oder der zuständigen Stelle.
- Ist die Front robust? Schuhspitzen, Taschen und Kinderwagen stoßen an.
Platz und Wege im Empfangsbereich
Ein Empfangstresen steht dort, wo viele Menschen gehen. Die DGUV-Information 215-410 legt für Verkehrswege in Büros Mindestbreiten fest, die von der Zahl der Nutzer abhängen, und hält fest, dass Besucher und Kunden dabei mitgezählt werden. Plane den Tresen deshalb so, dass Eingang, Wartebereich und Durchgang zu den Büros frei bleiben und hinter dem Arbeitsplatz Platz zum Aufstehen und Zurückrollen bleibt.
Für die Wartezone eignen sich Besucherstühle wie ein Schwingstuhl aus Leder, der für kürzeres Sitzen gedacht ist; den Arbeitsplatz hinter dem Tresen ersetzt er nicht.
Stauraum, Material, Sicherheit
Hinter der Theke landen Post, Formulare, Schlüssel und Kleinkram. Plane abschließbare Schubladen oder einen Container ein, wenn dort Unterlagen mit persönlichen Daten liegen. Hohe Aufsätze, Regale oder Schränke im Empfang gehören an die Wand; die Aktion Das sichere Haus rät, Regale und Schränke mit Metallwinkeln festzuschrauben.
Beim Material gilt wie für alle Möbel aus Holz und Holzwerkstoffen: Der Blaue Engel (DE-UZ 38) steht für emissionsarme Produkte, und seit dem 6. August 2026 gelten laut Umweltbundesamt die EU-Vorgaben zu Formaldehyd. Für die Front sind abriebfeste, leicht zu reinigende Oberflächen und stoßfeste Kanten wichtiger als Hochglanz.
Wer den ganzen Arbeitsbereich neu einrichtet, findet Hinweise zum Büromöbel-Set und zur Schrankwand fürs Büro. Alle Ratgeber stehen unter Büro und Arbeitszimmer.
Häufige Fragen
Welche Form passt für eine kleine Praxis?
Meist eine gerade oder L-förmige Empfangstheke. Sie braucht wenig Platz und bietet trotzdem einen vollwertigen Arbeitsplatz dahinter.
Wie hoch ist eine Empfangstheke?
Für den Arbeitsplatz dahinter nennt die DGUV bei festen Tischen 740 ± 20 mm im Sitzen und 1050 ± 20 mm im Stehen. Für die Besucherablage haben wir keinen verlässlichen Richtwert gefunden.
Gelten für den Arbeitsplatz am Empfang dieselben Regeln wie im Büro?
Wer dort am Bildschirm arbeitet, hat einen Bildschirmarbeitsplatz. Die DGUV-Information 215-410 ist dafür der passende Leitfaden.
Wie verhindere ich, dass Besucher auf den Bildschirm sehen?
Mit einer ausreichend hohen Blende auf der Besucherseite und einem Bildschirm, der zur Mitarbeiterseite ausgerichtet ist.
Muss eine Empfangstheke barrierefrei sein?
Das hängt vom Gebäude und seiner Nutzung ab. Kläre die Anforderungen mit dem Architekten oder der zuständigen Stelle; ein niedrigerer Abschnitt hilft Menschen im Rollstuhl und Kindern.